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Interview mit Boris Kook und Tom Hautmann

Aktualisiert: 26. Apr.

«Endlich finden wieder Turniere statt statt»

Die Corona Kriese hat uns alle schwer getroffen. Wir haben bei der Stimme des Westernsports, Boris Kook, sowie beim Fotokünstler Tom Hautmann genauer nachgefragt:

Wie geht es Euch?

Vielen Dank zunächst, für das Interesse an einem Interview mit uns. Das wissen wir sehr zu schätzen und freuen uns, Eure Fragen beantworten zu dürfen.

Uns geht es bestens. Die Saison ist wieder voll am Laufen, wir sind viel unterwegs und endlich finden wieder Turniere statt.

Fast jedermann kennt Euch in der Turnier-Szene durch eure Arbeit. Könnt Ihr uns etwas über Euch erzählen, was vielleicht nicht jeder schon weiss?

Boris:

Die meisten Westernreiter kennen mich als Turniersprecher. Viele wissen aber nicht, dass ich auch eine Vergangenheit als aktiver Turnierreiter habe. Im Jahr 1988, als

10,5-jähriger, begann meine sehr kurze und erfolglose Karriere in Showmanship, gefolgt von einigen Jahren in Pleasure, Horsemanship und Trail. Ich kann mich nicht erinnern jemals einen Trail Parcours erfolgreich beendet zu haben und beim Groundtying ging mein Pferd stiften. In der Pleasure waren wir immer die Schnellsten. Aber Horsemanship lief ganz ordentlich mit einigen Landesmeistertiteln. 1993 begann ich dann mit Reining. Bis zum Working Cowhorse habe ich es leider reiterlich nie geschafft. Meine letzte Turnierteilnahme war 2007, denn danach hatte ich einfach zu viel als Sprecher zu tun. Privat interessieren mich am meisten Reining und Reined Cowhorse.

Tom:

Da fällt mir spontan eine Frage ein, die mir sehr oft bei Fotoshootings oder auf Turnieren gestellt wird. «Tom, reitest du selbst auch?» Viele Leute wissen glaube ich nicht, dass ich selbst gar kein Reiter bin. Ich hatte noch nie ein eigenes Pferd und bin – abgesehen von ein paar Monaten Reitstunden bei einem Profitrainer – auch nie richtig geritten. Trotzdem bestimmen Pferde und der Reitsport seit vielen Jahren meinen Alltag und gehören fest zu meinem Leben. Ich möchte das alles auch nicht mehr missen.

Wie schwer hat Euch die Corona-Kriese getroffen?

Tom:

Aus persönlich, privater Sicht denke ich, dass es mich, wie viele andere auch getroffen hat. Die Einschränkungen bzw. der zeitweise Lockdown haben eben viele Dinge erschwert. Das sind so einfache Sachen wie die gemeinsame Zeit mit Freunden oder Familie. Geschäftlich gesehen stellt die Corona-Krise natürlich einen grossen Einschnitt in diesem Jahr dar. Fotoshootings waren für circa zwei Monate nicht denkbar und der Wegfall vieler Turniere haben natürlich eine deutliche wirtschaftliche Auswirkung. Aber mein Team und mich wird es auch in 2021 noch geben und wir starten dann wieder voll durch mit allem Drum und Dran.

Boris:

Die Corona Krise war für mich beruflich natürlich ein Desaster. Ich lebe von der Turnier-Sprecherei und hatte die ersten sieben Monate des Jahres praktisch kein Einkommen. Aber ehrlich gesagt hatte ich trotzdem einen schönen Sommer zu Hause mit meiner Freundin Laura und meinen Freunden und Nachbarn. Ich habe Dinge tun können, die ich schon seit Jahren nicht mehr machen konnte. Ich war das erste Mal seit 2004 an Ostern zu Hause. Ich habe viel gekocht, wir haben einen Gemüsegarten angelegt und uns um die Pferde und den Stall gekümmert.

Wie konntet ihr diese Zeit überbrücken?

Boris:

Ich habe für die NRHA Germany die Online-Sendung “Slide In TV” angefangen, die es auf dem YouTube Kanal der NRHA Germany zu sehen gibt. Es war also nicht alles schlecht. Schwierig war, dass man nie genau wusste, wie lange es dauert, bis die Turniere wieder losgehen. Die Turniere wurden nach und nach, teilweise auch sehr kurzfristig abgesagt. So konnte man schlecht planen und sich auch nicht so einfach einen anderen Job suchen. Umso glücklicher bin ich, dass es jetzt im Herbst viele Turniere gibt. Auch wenn man in drei oder vier Monaten nicht das aufholen kann, was einem in den sieben Monaten entgangen ist. Gelernt habe ich daraus, dass ich mich nicht zu 100% nur auf diesen Job verlassen kann und dass die Freizeitbranche, in der ich nun mal arbeite, als erstes den Bach runter geht in so einer Situation. Also habe ich ein sogenanntes Showreel aufgenommen, um eventuell einen Fuss in die Tür der Radio oder TV Branche zu bekommen. Voice-Over oder Werbung. Am liebsten würde ich Hörbücher machen. Da fehlt mir nur noch der richtige Einstieg. Vielleicht kennt ja einer der Leser jemanden in der Branche.

Tom:

Nachdem ich ja zur Fotografie auch Leistungen aus dem Bereich Mediengestaltung und Grafikdesign anbiete, konnte ich in dieser Zeit viel Energie in solche Projekte stecken. Die Nachfrage in diesem Geschäftsfeld ist zum Glück nicht eingebrochen – sondern auf einem konstanten Level geblieben, so dass ich jederzeit gut beschäftigt war. Natürlich war es etwas ruhiger, da die Shows und Shootingtouren ausgefallen sind. Die freigewordene Zeit habe ich aber auch für meine eigene Weiterbildung und das Erarbeiten neuer Ideen und Konzepte genutzt.

Wie hat dich Corona persönlich beeinflusst oder verändert?

Tom:

Eine grosse Veränderung könnte ich jetzt nicht feststellen. Natürlich geht man mit dem Thema „social distancing“ und den auferlegten Massnahmen sensibler um. Was ich aber definitiv sagen kann ist, dass ich noch mehr angefangen habe, die kleinen Dinge im Leben, welche oft so selbstverständlich erscheinen, wertzuschätzen. Und dazu zählen eben gerade die sozialen Kontakte. Gemeinsame Unternehmungen, gemütliche Frühsommerabende zusammen oder der einfache Besuch bei engen Familienmitgliedern. Freunde und Familie spielen bei mir ohnehin eine sehr grosse Rolle und darauf musste ich zeitweise verzichten oder dies auf das Nötigste beschränken. Durch Corona denke ich, ist mir noch bewusster geworden, worauf es doch öfters im Leben ankommt.

Wie denkt ihr, dass sich der Show-Betrieb nun verändert?

Tom:

Nun, aktuell liegen ja die ersten Shows mit Corona–Einschränkungen bereits hinter mir. Am aller wichtigsten ist für alle Beteiligten, dass wieder Turniere stattfinden können. Auch wenn wir jetzt mit Massnahmen wie Mund-Nasen-Schutz, Einbahnstrassen oder Zuschauerverbot leben müssen. Wobei ich gerade das Zuschauerverbot sehr bedauere. Gerade der Reiningsport lebt auch von der Stimmung, wenn die Halle von Ritt zu Ritt immer mehr zu kochen beginnt. Ob wir diese Atmosphäre dieses Jahr – ohne Zuschauer – noch richtig zu spüren bekommen, weiss ich nicht. Wünschen würde ich es mir jedenfalls. Aber im Vordergrund sollte stehen, dass es endlich wieder Turniere gibt – getreu dem Motto „the show must go on“.

Boris:

Ich fürchte, wir werden noch eine ganze Weile mit der Maskenproblematik zu tun haben. Und so lange das so ist brauchen wir die Hilfe eines jeden Teilnehmers, Begleiters, Zuschauers, einfach von jedem auf dem Showground. Wenn Maskenpflicht besteht, wie momentan in Deutschland, Frankreich, Belgien u.a., dann kann ich nur alle darum bitten mitzumachen. Es bringt nichts auf dem Turnier eine Grundsatzdebatte zu führen um den Sinn oder Unsinn der Alltagsmaske. Das ist die Regel. Wer plant sie nicht einzuhalten, sollte daheim bleiben. Denn sonst riskiert er, dass aufgrund seiner Einstellung Strafen erhoben werden können und Turniere abgebrochen bzw. abgesagt werden können. Daran hängen wie in meinem Fall auch Existenzen. Nur wenn wir die Regeln einhalten können wir Turniere überhaupt durchführen. Ich hoffe, dass die meisten dieser Regeln sich im kommenden Jahr oder spätestens 2022 wieder erledigen. Der grosse Nachteil des Westernreitsports, dass wir meist wenig Zuschauer haben, wird uns nun ausnahmsweise zum Vorteil. Ich hoffe dennoch, dass wir in der Zukunft unseren Sport wieder mehr vor grosses Publikum bekommen um sein Überleben zu sichern.

Was können Turnierteilnehmer und oder Veranstalter tun um Euch die Arbeit auf den Turnieren leichter zu machen?

Tom:

Jeder Veranstalter hat bislang das Beste gegeben, damit wir unsere Arbeit auf diesem Niveau erledigen können. Von daher gibt es direkt keine gravierenden Optimierungen, welche wir uns wünschen. Egal in welchem Land oder auf welcher Anlage – bisher haben wir uns immer super wohl gefühlt und konnten uns immer auf die volle Unterstützung der Veranstalter verlassen.

Boris:

Wir sollten wieder mehr auf Messen vertreten sein wie früher Leipzig, Bremen, Dortmund. Wir brauchen darüber hinaus auch besser vermarktbare Formate. Ich stelle mir immer vor, ein Neuling setzt sich auf die Tribüne. Er würde vielleicht mal ein Reining Pferd kaufen oder vielleicht Sponsor werden wollen. Er kommt zum Finale, für das sich 50 oder 60 Teilnehmer qualifiziert haben. Ich sage also zu diesem potentiellen Kunden “setz dich mal da hin und guck dir 6 oder 7 Stunden lang wie die Teilnehmer immer die gleichen Kreise reiten. Übrigens alle 20 Minuten kommt ein Traktor und fährt 10-15 Minuten mit lautem Krach in der Runde. Am Ende machen wir dann noch 45 Minuten Siegerehrung. Viel Spass!” Für uns ist das zur Normalität geworden aber ein Aussenstehender ist nach dem zweiten Mal Abziehen im Restaurant oder an der Bar. Ich wünsche mir von Teilnehmern und Veranstaltern wieder mehr an die Aussenwirkung zu denken. Wir brauchen, vielleicht parallel zu unseren Futuritys und Derbys, echte “Shows”, die auf kurzweilige Art unseren tollen Reining Sport einem Publikum näherbringen kann. Bei Siegerehrungen ist schon eine Menge passiert in den letzten Jahren aber auch da ist noch Luft nach oben. Ich träume auch davon mal wieder einen Pferdetausch aufzuziehen. Vor richtig grossem Publikum mit Weltklasse Spring- oder Dressurreitern, die Reining Pferde ausprobieren und umgekehrt Reiner auf Spring Pferden. Nur so kommt unser Sport weiter vorwärts, nur so sichere ich langfristig meinen Job. Das geht Hand in Hand.

Was macht für Euch die Faszination

Reining aus?

Boris:

Reining ist eine Reitsportart mit viel Action und gibt dem Publikum viel Gelegenheit mitzugehen, Stimmung zu machen. Beim Springen sind alle ganz gespannt und applaudieren am Schluss, bei einer Dressur ist es ganz ruhig, bei einer Western Pleasure gibt es Applaus am Ende oder beim Back-Up. Während einer Reining kann jeder ausflippen und pfeifen, klatschen, trampeln wenn ihm etwas gefällt in der Arena. Und wenn dann bei einem tollem Reining Finale die Halle bebt und beim Ankündigen eines High Scores 5000 Leute auf der Tribüne explodieren. Das ist einfach grossartig.

Tom:

Action, Power und Emotion. Drei Worte, die Reining aus meiner Sicht gut beschreiben. Wer kennt es nicht, das Gefühl bei einem Futurity oder Derby Finale mit dabei zu sein, wenn sich die Härchen auf den Unterarmen aufstellen und Gänsehaut über den Rücken jagt. Genau das ist es, was Reining für mich ausmacht. Und natürlich das zufriedene Gefühl, wenn Ritt für Ritt klasse Bilder im Kasten landen.

Gibt es neben dem Pferdesport noch andere Leidenschaften welchen ihr nachgeht?

Tom:

Natürlich. Ich bin leidenschaftlicher Angler. Dieses Hobby begleitet mich schon seit etwa 20 Jahren. In den letzten Jahren ist dies zwar etwas in das Hintertreffen geraten, da ich viel Energie in mein Geschäft gesteckt habe, um dieses aufzubauen. Aber seit 2019 nehme ich mir wieder mehr Zeit für meine Leidenschaft und geniesse die Momente am Wasser in vollen Zügen. Grundsätzlich bin ich ein sehr naturverbundener Mensch und verbringe einfach gerne Zeit draussen im Freien.

Boris:

Neben dem Job als Sprecher und den eigenen Pferden (wir haben noch drei Pferde daheim) gilt meine Leidenschaft privat ganz klar den Autos. Ich liebe Mercedes und andere europäische Klassiker der späten 60er bis in die 90er hinein. Ich liebe amerikanische Pick-Up’s und Geländewagen der gleichen Ära und würde am liebsten eine grosse Autosammlung haben. Bislang besteht sie aus 2 – aber ich arbeite daran.

Herzlichen Dank an Boris und Tom, dass ihr Euch Zeit für das Interview genommen habt.

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